Welcher Künstler ist Spreu - wer Weizen?

Woran erkennt die Politik Kultur-Schafe und Kunst-Böcke?

Die aktuelle Kultursituation lässt keinerlei Spielraum mehr für individuelle Animositäten und Rücksichtnahmen. Der kulturelle Kahlschlag betrifft, laut Ankündigung, in erster Linie die politisch definierte Spreu unter den Kunst- und Kulturschaffenden. Vorgangsweise und Ausmaß dieser Maßnahmen sind Zensur. Und diese betrifft jeden Staatsbürger.

Was, ausschließlich durch die Erhöhung des Zeitungsportos bedingt, passierte, soll ein Beispiel veranschaulichen. Die Unfinanzierbarkeit des um mehr als das Vielfache!!! erhöhte Zeitungsporto wird in etlichen Kulturinitiativen die Einstellung regelmäßiger Druckwerke bedeuten. Damit zusammenhängend entfallen etliche Arbeitsplätze für freie Mitarbeiter, geringfügig Beschäftigte und zusätzliche Hilfskräfte. Grafiker und Druckereien verlieren Aufträge.

Neben der Frage wieweit Informationsvielfalt und Kommunikationsfluss überhaupt aufrechtzuerhalten sein werden, leidet jedenfalls auch die aktuelle Ankündigung und Veranstaltungsbewerbung darunter.

Leere Veranstaltungstermine können sich Veranstalter schon geraume Zeit nicht mehr leisten, da die Kulturbudgets ohnehin die Schwindsucht haben. Der Veranstalter muss deshalb, ob er will oder nicht, entweder zusperren oder das Porto durch zweckentfremdetes Veranstaltungsbudget vorfinanzieren und auf Zuschauermassen hoffen. Jedenfalls hat er vorerst weniger Veranstaltungsbudget, was Möglichkeit und Bereitschaft adäquater Künstlergagen und Nebenkostenabgeltung vom derzeitigen Tiefstand endgültig in den Keller treibt. (Die Nebenkostensteigerung ist, durch erhöhte Fahrzeug- und Treibstoffkosten, steigende Preise der Gastronomie gesichert) Längerfristig gesehen werden „billig und möglichst voll" wieder zu Hauptkriterien eines Engagements. Das betrifft nicht nur Kindertheater, sondern auch viele andere Kunstrichtungen. Die reduzierten Auftrittsmöglichkeiten und geringere Einnahmen werden auch etliche Künstler ins Heer der Beschäftigungslosen drängen. Solange es keine Künstlerversicherung gibt, belasten sie das Staatsbudget nicht, denn ein arbeitsloser Künstler wird nahtlos zum Privatier, was ihn allerdings nicht von allgemeinen, qualifikationsfreien, Arbeitsmarkt ausschließt (falls er dort etwas findet). Auch das Produktionsbudget für neue Stücke wird von der Reduktionslawine erfasst. Zusätzliche Schauspieler und Musiker können nicht mehr engagiert werden. Transportfahrzeuge und Bühnenequipment nicht aktuell ersetzen zu können bedeutet eine weitere, zufällige und nicht beabsichtigte Auslese.

Für die österreichische Bevölkerung bedeutet es eine, in der 2. Republik einmalige Zensur des kulturellen Lebens, seiner Vielfalt und Ausgewogenheit. Denn ohne Angebote gibt es weder Auswahl noch kulturelles Leben. Ohne lebendiges Kulturleben, nur mit einigen wenigen staatlich erlaubten, weil für gut befundenen und subventionierten Künstlern verliert Österreich seinen Status als Kulturland. Es versinkt vielmehr in Verhältnisse vergangener Zeit, die weder mit demokratischen Rechten noch mit Freiheit der Kunst zimperlich umgegangen ist.

Die Freiheit von Meinungsäußerung und kultureller Vielfalt darf nicht, auch nicht auf indirekte Weise verhindert und verboten werden.

Die Freiheit der Kunst ist Ausdruck der Freiheit der Menschen!

 

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